Borussia Dortmund verliert gegen Bayer Leverkusen mit 0:1 – doch das war am Samstagnachmittag (11. April) nur eine Randnotiz. Zum einen, weil das ganze Stadion in der zweiten Halbzeit schwieg, weil ein BVB-Fan reanimiert werden musste. Zum anderen, weil für Spieler und Verantwortliche die Pfiffe gegen Nico Schlotterbeck ein großes Thema in den Interviews nach Abpfiff war.
Obwohl der Vize-Kapitän des BVB seinen Vertrag vor dem Spiel endlich verlängert hatte (alle Infos zur Unterschrift gibt es hier) hagelte es Pfiffe, als Stadion-Sprecher Norbert Dickel Schlotterbecks Namen bei der Mannschaftsaufstellung verkündete. Dafür gibt es gute Gründe, die die Bosse und Mitspieler nicht einfach so beiseite wischen können. Ein Kommentar.
Ein „Unding“ seien die Pfiffe gegen Schlotterbeck gewesen, „so etwas können wir als Mannschaft nicht akzeptieren“, hatte etwa BVB-Verteidiger Waldemar Anton nach Abpfiff in der Mixed-Zone klar gesagt. Auch Dortmund-Boss Carsten Cramer stellte sich nach dem Spiel hinter Schlotterbeck. „Das gehört sich nicht“, sagte Cramer. Zwar gebe es freie Meinungsäußerung, doch er wolle als Vertreter von Borussia Dortmund nicht, dass Dortmund-Spieler auf dem Rasen mit Pfiffen konfrontiert werden.
📌 Fakten
- Nico Schlotterbeck spielt bereits seit 2022 für Borussia Dortmund.
- Der BVB holte ihn für 20 Millionen Euro vom SC Freiburg.
- Mittlerweile hat der Innenverteidiger über 150 Pflichtspiele für die Schwarz-Gelben absolviert.
- Sein neuer Vertrag beim BVB läuft bis 2031.
- Darin soll aber eine Ausstiegsklausel verankert sein, die ihm bei Angeboten von bestimmten Vereinen schon einen Wechsel im Sommer 2026 ermöglicht.
Das ist zwar aller Ehren wert, ist aber letztlich nur die halbe Wahrheit, weil man so tut, als gäbe es für eine derartige Reaktion des Publikums keine triftigen Gründe. Doch die gibt es und die hat sich Schlotterbeck selbst zuzuschreiben.
Seine Verlängerung beim BVB bis 2031 wirkt auf den ersten Blick wie ein Glücksgriff. Doch dass es offenbar eine Ausstiegsklausel gibt, die in diesem Sommer schon für bestimmte Vereine gelten soll, hat einen mehr als faden Beigeschmack. Diese Klausel konterkariert sämtliche Bemühungen des Vereins, den Spieler zu binden. Trotz neuer Unterschrift, könnte Schlotterbeck in wenigen Monaten weg sein. Und die Weltmeisterschaft in Amerika wird er sicherlich als sportliche Bühne für sich nutzen wollen.
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Der Vize-Kapitän vermittelt dadurch nicht gerade glaubhaft, wirklich langfristig vom Dortmunder-Projekt überzeugt zu sein. Bei allem Verständnis für Schlotterbeck und seine berechtigten Karriere-Ambitionen: Es ist völlig nachvollziehbar, dass die Fans vom künftigen Gesicht des Vereins, denn genau das ist eigentlich der Dortmunder Plan mit Schlotterbeck, eine andere Form des Commitments erwarten.
Auch Aussagen im Rahmen der Verlängerung, dass sich diese in Dortmund jetzt nach dem richtigen Schritt anfühle und dass Schlotterbeck mit dem BVB natürlich Titel gewinnen wolle, wirken vor diesem Hintergrund nicht vollends überzeugend. Zumal sich die Verhandlungen über Monate zogen und letztlich der Eindruck entstanden ist, als wäre der BVB für Schlotterbeck eben nicht die eine einzige Wahl. Dadurch hat das Standing des Innenverteidigers bei vielen Fans gelitten.
Das muss er sich jetzt zurück erarbeiten, nicht andersherum! Denn klar ist auch: In Dortmund ist niemand sauer, dass Schlotterbeck verlängert hat, im Gegenteil. Doch das „Wie“ ist bei der Reaktion des Publikums der ausschlaggebende Faktor gewesen. Und diesen Unmut darf man ruhig kundtun.
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Gleichzeitig sollte es damit dann aber auch getan sein. Schlotterbeck jetzt in jedem Spiel und bei jedem Ballkontakt auszupfeifen, wäre auch daneben und nicht fair. „Ich probiere bis zum letzten Tag, an dem ich beim BVB spiele, alles zu geben“, sagt Schlotterbeck in einem Video auf dem YouTube-Kanal der Borussia. Doch ob dieser erst 2031 oder eben schon in diesem Sommer ist, bleibt offen.
2026-04-13T21:01:02Z