Sascha Britschgi ist im Schweizer Fussball eine Zukunftshoffnung. Aktuell weilt er in der U21-Nati. Warum das vor wenigen Jahren noch undenkbar schien.
Von 0 auf 100 trifft es ziemlich gut. U21-Natispieler Sascha Britschgi (19) bestritt für den FC Luzern im letzten Sommer lediglich drei Super-League-Spiele, ehe er trotz Interesse anderer Schweizer Clubs in die Serie A zu Parma wechselte. In einer der grössten Ligen der Welt sorgt er seither für Furore. Vor dem Nati-Zusammenzug der U21 steuerte er gegen das grosse AC Milan zwei Assists bei.
Aktuell bereitet sich Britschgi mit der U21 auf das EM-Quali-Spiel am Dienstagabend gegen Luxemburg vor. Der schnelle Aufstieg überrascht. Umso mehr, wenn man Britschgis Werdegang betrachtet. Der Luzerner hat nicht nur wenige Super-League-Partien in den Knochen, er wurde bis zum Wechsel nach Parma auch kaum für die U-Nationalteams aufgeboten. Nur einmal reichte es für die U-16- und zweimal für die U-19-Nationalmannschaft.
Experte: «Muss Verband in Schutz nehmen»
Wie kann es sein, dass ein Spieler kaum für U-Teams berücksichtigt wurde, sich nun aber in einer Top-5-Liga festspielt? «Man muss den Verband ein Stück weit in Schutz nehmen», sagt Ex-FCL-Scout und Referent Mirco Papaleo von der Goaltrades-Academy zu 20 Minuten. «Britschgi hat in den letzten zwei Jahren eine Leistungsexplosion hinter sich – vor allem im physischen Bereich.» Der Experte sagt aber auch: «Der Verband macht vieles sehr gut, doch bei gewissen Spielerprofilen, die bestimmte Voraussetzungen mitbringen, könnte man trotzdem mutiger sein.»
Präzise: Spieler und ihre Stärken fördern, statt Defiziten zu viel Gewicht geben. Die späte (physische) Entwicklung führt auch der Schweizerische Fussballverband (SFV) als Grund für gewisse Nicht-Nominationen an. «Je nach Altersstufe kann sich der Entwicklungsgrad eines Spielers stark verändern», schreibt der SFV. «Entsprechend ist es möglich, dass erst im U-21- oder gar im A-Team erstmals für die Schweiz gespielt wird.»
Parma hat nach einem Spiel ernst gemacht
Dass Britschgi von Luzern den Sprung in eine Top-5-Liga schaffte, liegt aber auch noch an anderen Faktoren. Im Gegensatz zu anderen Schweizer Clubs, verfolgte Parma den Schienenspieler bereits in der Luzerner U21 aufmerksam. Nach seinem ersten Profispiel im Sommer hatte der Club genug gesehen und legte dem 19-Jährigen einen Vertrag vor.
Bei seinem Jugendclub, dem FCL, war zwar überrascht, aber von dessen Potenzial schon länger überzeugt. Britschgi ist ein Beispiel für die Jugendarbeit, die sich beim FCL auszahlt. Seit Jahren setzt der Club akribisch auf den eigenen Nachwuchs. Die heutigen Nationalspieler Luca Jaquez, Ruben Vargas und Ardon Jashari, der erst in der U-21 erstmals für die Schweiz nominiert wurde, stammen aus der FCL-Jugendabteilung.
Bald im Aufgebot von Murat Yakin?
Mit Britschgi könnte aus dem «Luzerner-Trio» bald ein Quartett werden. Er wäre der vierte Spieler, der es aus der Luzerner Nachwuchsabteilung ins A-Nationalteam schafft.
Macht der 19-Jährige so weiter, dürfte ein Aufgebot nicht mehr lange auf sich warten lassen. Nichts als eine zeitnahe Berufung würde besser zum kometenhaften Aufstieg passen.
*Die Goaltrades-Academy ist der erste und einzige Scouting-Kurs der Schweiz. Für dieses Tätigkeitsfeld gibts keine klassische Ausbildung, hier will die Goaltrades Academy Abhilfe schaffen.
2025-11-18T03:35:59Z