UNSER WM-KADER BRINGT VIEL ERFAHRUNG: EINE TRAGISCHE FIGUR, EIN FRAGEZEICHEN – UND DER FEHLENDE SCB

Mit grossen Überraschungen wartet der neue Nati-Trainer Jan Cadieux bei seinem ersten WM-Aufgebot nicht auf. In der Verteidigung hat er sich bei den Wackelkandidaten für Dominik Egli, Sven Jung und Lukas Frick entschieden und gegen Fabian Heldner, Giancarlo Chanton sowie Gottéron-Meisterheld Simon Seiler. Im Sturm erhalten Nicolas Baechler, Attilio Biasca und Théo Rochette den Vorzug gegenüber Yannick Frehner und Tyler Moy.

Bitter ist das vor allem für Moy. Der Stürmer der SCRJ Lakers muss auch beim zweiten Grossevent dieser Saison als Letzter über die Klinge springen. An den Olympischen Spielen in Mailand reiste er als Platzhalter für NHL-Nachzügler an und vor Turnierbeginn wieder nach Hause. Nun verpasst der Schweiz-Amerikaner auch die Heim-WM. Dabei war er Nati-Topskorer der letzten WM in Herning (Dä) und Stockholm (Sd). Moy hatte enorm viel investiert für seinen Heim-WM-Traum, nach seiner in den Playoffs erlittenen Beinverletzung sogar einen Spezialisten in den USA aufgesucht, um es schaffen zu können.

Der Steigerungslauf von Rochette

Doch für eine neuerliche offensive Rolle im Team hat es Moy nicht gereicht, da wurde er auf der Zielgeraden von Lausanne-Stürmer Rochette abgefangen. Dieser war behäbig in die WM-Vorbereitung gestartet und konnte in den ersten zwei Wochen überhaupt nicht überzeugen, legte aber anschliessend einen beeindruckenden Steigerungslauf hin, schoss wichtige Tore und bereitete weitere Treffer vor. Der beste Schweizer Torschütze der abgelaufenen National-League-Saison mit 22 Treffern konnte zuletzt auch körperlich besser dagegenhalten als noch bei seinen ersten Länderspielen.

Sicher, dass er an der WM dann auch tatsächlich spielt, kann sich Rochette – wie auch die anderen als Wackelkandidaten gehandelten Stürmer – noch nicht sein. Denn allenfalls stösst noch NHL-Spieler Philipp Kurashev zum Team. Dessen medizinische Abklärungen laufen noch und würden bei positivem Verlauf einen anderen Offensivspieler aus dem Kader eliminieren.

Genoni vor zwölfter WM

Nach dem letzten Vorbereitungsspiel schien Moy eine Vorahnung zu haben, dass es für ihn eng werden könnte. Lange kam er nicht aus der Garderobe. Um dann zu sagen: «Ich denke, ich habe solide gespielt. In den verschiedenen Rollen konnte ich mich gut anpassen. Aber es sind diverse Faktoren ausschlaggebend bei der Selektion.» In jenem Moment war es schwierig für ihn, nicht daran zu denken, dass er – einmal mehr – dem letzten Kaderschnitt zum Opfer fallen könnte. Klar ist: Für den Hockey-Nerd ist es eine riesige Enttäuschung.

Unser WM-Team ist eine Equipe, bei der die Leader über enorm viel Erfahrung verfügen: Goalie Leonardo Genoni nimmt seine zwölfte WM in Angriff, sein Goalie-Kumpel Reto Berra die elfte. Die beiden NHL-Cracks Roman Josi und Nino Niederreiter stehen vor ihrer zehnten WM, Verteidiger Dean Kukan vor der neunten, Nico Hischier, Sven Andrighetto, Christian Marti und Christoph Bertschy auch schon vor der siebten. Die Heim-WM soll für diese Generation zur Sahnetorte ihrer Nati-Karriere werden. Unser WM-Team ist aber vor allem auch eine Mannschaft, die schon ausgiebig in Erfahrung bringen konnte, was es für den Erfolg an einer WM braucht. Insgesamt sind in Zürich nicht weniger als 22 Silberhelden mit von der Partie.

Nur drei noch ohne WM-Medaille

Angeführt werden diese von Niederreiter, der bei allen vier WM-Silbermedaillen 2013, 2018, 2024 und 2025 dabei war, und den dreifachen Silberhelden Berra, Genoni, Josi, Kukan und Andrighetto. Zweimal Silber holten Marti, Bertschy, Hischier, Ken Jäger, Timo Meier, Damien Riat und Jung, der bei der WM 2025 jedoch nicht eingesetzt wurde. Je einmal Berni, Egli, Frick, Janis Moser, Baechler, Simon Knak, Denis Malgin, Calvin Thürkauf und Sandro Aeschlimann, der an der WM 2025 allerdings als dritter Goalie nicht zum Einsatz kam.

Noch keine WM-Medaille gewonnen haben einzig Biasca, Rochette und Pius Suter. Im Fall von Biasca und Rochette ist dies auch gar nicht möglich – sie sind als die beiden einzigen Neulinge erstmals an einer WM dabei. NHL-Söldner Suter bietet sich bei seiner insgesamt dritten WM-Teilnahme die Chance, eine Lücke in seinem Palmarès zu schliessen.

ZSC Lions mit den meisten Spielern

Die Nati steigt sicher mit sechs NHL-Spielern in die WM, allenfalls kommt mit Kurashev noch ein siebter dazu. Mit Egli (bislang Frölunda) ist auch ein Schweden-Söldner dabei. Von den 17 Spielern aus der National League stellen die ZSC Lions mit fünf Akteuren die grösste Gruppe, vor Playoff-Finalist Davos (vier), Meister Fribourg und Lausanne (je drei). Zug (Genoni), Servette (Berni) und Lugano (Thürkauf) kommen auf jeweils einen Spieler. Der SC Bern stellt in diesem Jahr erneut keinen WM-Spieler. Von den acht Playoff-Teilnehmern sind einzig die SCRJ Lakers nicht vertreten, nachdem sie ihre Hoffnung Tyler Moy verloren haben.

2026-05-12T12:10:20Z