TONI KROOS: «DEUTSCHLAND IST NICHT MEHR DASSELBE LAND WIE VOR ZEHN JAHREN»

Kurz vor dem Viertelfinal gegen Spanien war der deutsche Nationalspieler Toni Kroos zu Gast bei «Lanz & Precht». Dabei kamen neben Fussball auch Migration und die Leistungsbereitschaft der Jugend zur Sprache.

Kurz vor dem Viertelfinalspiel zwischen Deutschland und Spanien, das für den Gastgeber das EM-Aus besiegelte, war der deutsche Mittelfeldregisseur Toni Kroos zu Gast in der Sendung «Lanz & Precht», wo er mit den beiden Moderatoren Markus Lanz und Richard David Precht nicht nur über seine Karriere und die deutsche Nationalmannschaft, sondern auch über Themen abseits des Fussballs sprach.

Toni Kroos brachte Deutschland die Hoffnung zurück – nun ist das verschmähte Genie weg

Dass er nicht davor zurückschreckt, seine Meinung mit der Öffentlichkeit zu teilen, hat Kroos in der Vergangenheit mehrfach bewiesen. Er kritisierte nicht nur die WM in Katar vor zwei Jahren scharf («dass dieses Turnier dahin gegeben worden ist, das halte ich für falsch»), sondern äussert auch immer wieder seine Bedenken gegenüber der saudischen Liga («und dann wird erzählt, dass man dort ambitioniert Fussball spielt – wobei es nur ums Geld geht»).

Als Vehikel für seine Meinungsäusserungen dient oftmals der Podcast «Einfach mal Luppen», den er zusammen mit seinem Bruder Felix Kroos veröffentlicht. In Erinnerung bleibt beispielsweise auch der «Twitterkrieg», den Kroos mit Kritik an Pierre-Emerick Aubameyangs exzentrischem Torjubel («Wenn es da einstudierte Tänze oder Choreografien gibt, finde ich das schon sehr albern. Das ist kein gutes Vorbild») entfachte. In ihrem Podcast schrecken die Kroos-Brüder auch vor politischen Themen nicht zurück.

Kroos äussert sich zu seinem subjektiven Sicherheitsgefühl in Deutschland

Standen am Anfang des gut einstündigen Gesprächs noch der Fussball und die deutsche Nationalmannschaft im Zentrum, kamen bald auch gesellschaftliche und politische Themen zur Sprache. Lanz und Precht wollten von Kroos zum Beispiel wissen, in welchem Land er sich und seine Familie in Zukunft sehe, jetzt, wo er nicht mehr für Real Madrid spielt.

«Würdest du deine 14-jährige Tochter tendenziell in einer spanischen oder in einer deutschen Grossstadt nach 23 Uhr rauslassen? Da wäre ich aktuell tendenziell eher bei Spanien.»

- Toni Kroos -

«Ich finde Deutschland nach wie vor ein tolles Land und bin gerne da, aber es ist nicht mehr das gleiche Land wie vor 10 Jahren, als wir gegangen sind», meinte Kroos auf die Frage und lieferte auch ein Beispiel, um seine Aussage zu illustrieren: «Würdest du deine 14-jährige Tochter tendenziell in einer spanischen oder in einer deutschen Grossstadt nach 23 Uhr rauslassen? Da wäre ich aktuell tendenziell eher bei Spanien», erklärte der 34-Jährige.

«Es gibt aber immer einen bestimmten Prozentteil an Menschen, unter Deutschen genauso, der einem Land nicht gut tut.»

- Toni Kroos -

Auch die Migration wird thematisiert

Auf Kroos' Aussage folgten Spekulationen der Moderatoren darüber, weshalb Deutschland nicht mehr das Land sei, das es mal war. Spanien habe grundsätzlich eine «weniger aggressive Gesellschaft» als Deutschland, meinte Precht, «es klemmt an allen Ecken und Enden, es ist zu voll, es ist zu viel» urteilte Lanz. Nachdem Kroos diese wenig konkreten Aussagen gekonnt umschifft hatte, äusserte er sich zum Thema Migration:

«Man sieht ja, mit welch offenen Händen das Land die Leute begrüsst und ich finde das sensationell. Aber ich glaube, es war einfach zu unkontrolliert», meinte Kroos und fügte an: «Es gibt aber immer einen bestimmten Prozentteil an Menschen, unter Deutschen genauso, der einem Land nicht gut tut. Wenn man da nicht unterscheiden kann, dann wird es am Ende schwierig.»

Während die einen finden, dass Kinder in unserer Gesellschaft schon früh unter Druck gesetzt werden, findet Toni Kroos das Streben nach maximaler Leistungsfähigkeit wichtig. Die Tendenz im Jugendfussball, die Tore nicht mehr zu zählen, gehe «in die komplett falsche Richtung», sagt der Deutsche. Der dreifache Vater wünscht sich, dass seine eigenen Kinder «in dem, was sie machen, versuchen, die Besten zu werden».

(kat)

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